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vom Nordschleswiger - der deutschen Tageszeitung in Dänemark

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Andreas Wilhelm

Es gibt viele Menschen, denen man an der Nasenspitze nicht ansieht, wie interessant ihre Geschichte eigentlich ist. Ebenso jemand ist Andreas Wilhelm. Er arbeitet als Hausmeister beim „Nordschleswgier“, der deutschen Tageszeitung in Apenrade. Bisher eigentlich nichts besonderes.

Doch fragt man ihn nach seiner Geschichte, erfährt man allerhand interessante Dinge.
Nach Nordschleswig gekommen ist er der Liebe wegen. In einer Disco in seiner Heimatstadt Flensburg, lernte er seine zukünftige Frau kennen.

„Das ging alles ziemlich schnell. Sie ist schnell schwanger geworden und wir wollten heiraten. Aber damals musste man noch einen 'Königsbrief' schreiben – eine Bitte um Heirat, wenn man noch keine 18 ist.“ erzählt Wilhelm.

Eigentlich hatte er mit Dänemark nicht viel zu tun – bis auf den dänischen Fußballclub, den er in seiner Jugend beitrat. „Ich wusste nicht mal, dass es ein dänischer Fußballclub war. Ich habe mich allerdings schon gewundert, warum alle so komisch reden“ lacht er.

Über 40 Jahre lebt er nun schon in Nordschleswig. Viele Jobs hat er seither schon gemacht.
„Ich habe eigentlich alles gemacht, war mal Hafenarbeiter, Barkeeper und Taxifahrer.“


Neben seinem Job als Hausmeister, ist er auch als Kameramann unterwegs – für den Handballverein vom „Sønderjyske“, was ihm viel Spaß bereitet.
„Die dänische Handball-Nationalmannschaft durfte ich auch schon kennenlernen.“ sagt Wilhelm so nebenbei.

Man muss ihn schon ein wenig zum Reden animieren, damit man die spannenden Geschichten erfährt. Generell ist Andreas „Dres“ Wilhelm ein Mann, der lieber im Hintergrund agiert.
„Ach, ich halte mich gern zurück, stehe lieber hinter der Kamera oder eben wie damals hinter der Bar.“

Nur eines ist nicht zurückhaltend. Seine Bilder. Vor gut 10 Jahren hat er die Kunst für sich entdeckt. Ein Bekannter hat ihn zur Malerei gebracht, mit ihm Ausstellungen besucht.
„Naja, ich habe dann einfach angefangen und drauf los gemalt. Ich male mit den Fingern und wenn ich male, dann bin ich weg und brauche absolute Ruhe. Ich kann es auch nicht ausstehen, wenn mir jemand beim Malen zuschaut. Da kann ich die Straßenmaler in Italien oder Frankreich überhaupt nicht verstehen...“ grübelt er.

Hat er denn auch mal vor seine Bilder auszustellen oder sie zu verkaufen?
„Ausgestellt habe ich schon mit einigen anderen Künstler, aber alleine würde ich das nicht machen. Der ganze Trubel um den Künstler, nee, das bin ich nicht und das will ich auch nicht.“
Verkaufen tut er seine Bilder auch, dafür bastelt er gerade mit einer Bekannten an einer Website.
„Ich arbeite auch auf Bestellung, doch manchmal gefällt mir das Bild immer besser und besser und dann steigt der Wert des Bildes auch“ sagt Wilhelm. Seine Bilder hängen unter anderem in Kopenhagen, Odense, in Bayern und natürlich schmücken seine Werke auch die Wände des „Nordschleswigers“. Im Gegensatz zu seiner Persönlichkeit, sind seine Bilder weniger unauffällig. „Ich liebe es mit hellen, leuchtenden Farben zu arbeiten“. Als seine Lieblingskünstler nennt er u.a. Nolde und van Gogh.

Der Hang zur Kunst scheint er auch an seine 3 Söhne weitergegeben zu haben.
„Einer meiner Söhne spielt in einer recht bekannten Band“ sinniert er weiter.
Die Band von der er spricht nennt sich „Splendid“, für die er auch gern mit auf Tour geht und für sie filmt. Sie konnten schon einige Nummer-1-Hits in Osteuropa verzeichnen.

„Stolz bin ich schon sehr und freue mich auch für den Erfolg.“

Sein Sohn ist – genau wie er – der Mann im Hintergrund.

„Er schreibt die Songs und spielt auch in der Band, aber das ist es auch schon. Er wohnt mit der bekannten dänischen Sängerin Sys Bierre in einer WG in Kopenhagen und der Bassist seiner Band ist nebenbei noch der Tour-Manager von Medina."

Nach vielen Anekdoten aus seinem Leben und einem langem Gespräch über Kunst, Musik und Sport, scheint er es eilig zu haben:

"Oh, ich muss noch zum Verein, die wollen das hier haben für die Spiel-Analyse" sagt er und wedelt mit einer CD herum.

Langweilig wird ihm so schnell jedenfalls nicht werden.












Janette Sperling, August 2011


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